Wildnarzissentäler und Hohes Venn

Gestern, Tag 12, war der erste Tag unserer Wallfahrt, an dem es durchgehend geregnet hat, bei gleichzeitig heftigem Wind. Das heißt, der Regen kam von der  Seite. Nach 10 Minuten waren bereits die Oberschenkel durchnässt. Bisher waren wir auf der Wallfahrt von Regen weitgehend verschont geblieben. Doch ich wusste ja, der Tag würde kommen, da wir auf die Probe gestellt würden. Das war also die Gelegenheit, die mit der Wallfahrt verbundenen Mühen aufzuopfern, uns mit dem Kreuzweg des Herrn zu verbinden und uns an die Mühen des Apostels Paulus zu erinnern: Was kann uns scheiden von der Liebe Gottes?

Die Vorsehung hatte es gewollt, dass 2 Teilnehmer am Vormittag verhindert waren und erst später anreisten und 2 weitere wegen des Regens ganz abgesagt hatten. So waren wir die ersten 3 Stunden erstmals nur zu zweit.

Nach 3 km freuten wir uns, den Wald zu erreichen, der uns Schutz vor dem  Wind bot.

Bei Regen schätzt man dann auch sehr die befestigten Wege und so war es uns gar nicht unrecht, dass wir recht viel auf Asphalt liefen. Es war sogar erstmals ein langes Stück Landstraße dabei. Am Rand dieser Landstraße stand ein Kreuz zum Gedenken an eine Person, die hier offenbar im Alter von 44 den Unfalltod erlitten hatte. Obwohl es schon 16 Jahre her war, war das Kreuz mit frischen Blumen und einem brennenden Licht geschmückt. Für uns eine Gelegenheit, für dieses und alle anderen Unfallopfer zu beten.

Gestern war der landschaftliche Höhepunkt das Perlenbachtal, welches für seine Wildnarzissen berühmt ist. Wir waren bestimmt die Ersten, die sie dieses Jahr zu Gesicht bekamen. Normalerweise blühen die Narzissen erst im April, doch der März war dieses Jahr sehr warm gewesen. Bei dem Wetter ist uns dort natürlich kein Mensch begegnet. Und die Tage zuvor war das Gebiet sowieso gesperrt wegen Schießübungen auf dem nahegelegenen belgischen Truppenübungsplatz.

Um 15 Uhr trafen wir uns mit den beiden Nachzüglern, welche uns ablösten und die restliche Stunde Wegstrecke übernahmen. Wir holten derweil mit dem einen Auto das andere vom Startpunkt ab. Einer trage des Anderen Last. Einer laufe die Strecke stellvertretend für die Anderen.

Da es heute, am 19.3., früh immer noch heftig regnete, entschied ich, die heutige Strecke von 22 auf ca. 15 km zu verkürzen. Endpunkt der Etappe wurde die Baraque Michel mit der Fischbach-Kapelle mitten im Hohen Venn. Doch sobald wir starteten, fiel kein Tropfen mehr. Zum Mittags-Angelus begegneten uns 4 Hirsche. Zunächst auf Forstwegen durch das Schwarzbachtal (das Wasser ist wirklich sehr dunkel durch die Moorbestandteile), später gegen starken Wind auf Holzstegen und anspruchsvollen Pfaden durch eine außergewöhnliche Landschaft gelangten wir zur Zeit der Non an unser Ziel.

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